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Neue Hoffnung für MS-Patienten

Medizinisches Versorgungszentrum in Kempten bietet alternative Therapie

KEMPTEN - Im Allgäu sind schätzungsweise 800 bis 1000 Menschen von Multiple Sklerose (MS) betroffen. Die Patienten, überwiegend Frauen, erleiden oft schon im dritten und vierten Lebensjahrzehnt schwere Nervenschädigungen und körperliche Behinderungen. Die chronisch fortschreitende Erkrankung verläuft zunächst meist schubförmig.
Der Behandlung solcher Krankheitsschübe war eine ärztliche Fortbildungsveranstaltung im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) Dres. Heigl, Hettich und Partner in Kempten gewidmet. Die Referenten, Dr. Ralf Linker von der Ruhr-Universität Bochum, Prof. Dr. Erich Mauch, Chefarzt der Neurologischen Fachklinik Dietenbronn und Dr. Franz Heigl, Ärztlicher Leiter des MVZ Kempten-Allgäu stellten ein alternatives Verfahren zur Behandlung des MS-Schubes und ihr interdisziplinäres Konzept einer optimalen Patientenversorgung in Schwaben und dem angrenzenden Baden-Württemberg vor.
Ein akuter MS-Schub ist gekennzeichnet durch eine rasche Verschlechterung der gesundheitlichen Situation mit schweren Lähmungen oder Sehstörungen bis hin zur Erblindung. Als Standard-Therapie wird Cortison in hohen Dosen eingesetzt. Dadurch gelingt es meist, innerhalb einer fünf- bis maximal zehntägigen Behandlung eine Verbesserung des Gesundheitszustandes zu erreichen und so dem Fortschreiten der Behinderung entgegenzuwirken.
Hoffnung gibt es allerdings auch für die Patienten, die auf Cortison nicht oder nur unzureichend ansprechen oder das Medikament nicht vertragen: Mit der Plasmapherese (Apherese oder Immunadsorption) stellte Dr. Linker ein dialyseähnliches Blutreinigungsverfahren vor, das in der Lage ist, gegen Nervenscheiden gerichtete Antikörper aus dem Blut auszuwaschen und so bei über 70 Prozent der zunächst therapieresistenten Patienten zu einer Rückbildung der neurologischen Ausfälle führt.
Als Mitarbeiter einer international renommierten Forschergruppe um Professor Dr. Ralf Gold an der Universität Bochum hat Dr. Linker wegweisende Publikationen zu der neuartigen Therapieoption verfasst und gehört neben den Ärzten der amerikanischen Mayo Clinic zu den weltweit erfahrensten Anwendern der Plasmapherese bei MS-Patienten.
Als regionaler Vertreter hoher Fachkompetenz und Chefarzt einer Klinik, in der 25 Prozent aller stationären MS-Patienten Baden-Württembergs behandelt werden, betonte Professor Mauch die Bedeutung einer ganzheitlichen Patientenbetreuung. Diese müsse von der Diagnostik mit Labor, Kernspintomographie und Elektrophysiologie über die Behandlung des Krankheitsschubes bis zur krankengymnastischen, ergotherapeutischen und logopädischen Rehabilitation reichen. Durch ein solch umfassendes Konzept erwachse für den Patienten ein hohes Maß an Lebensqualität und eine enorme Reduktion der Krankheitskosten um bis zu 75 Prozent.
Über die gute Verträglichkeit und Unbedenklichkeit der Apheresebehandlung sprach Dr. Heigl in seinem Vortrag. Er demonstrierte diese im Rahmen einer Live-Behandlung vor dem Fachpublikum. Er verwies drauf, dass die Nebenwirkungen der Behandlung umso geringer seien, je mehr Patienten und damit Erfahrung eine Einrichtung habe. Mit über 18 000 bisher durchgeführten Apheresebehandlungen (bei Krankheitsbildern, die von der Fettstoffwechselstörung über den Hörsturz bis zum Diabetischen Fußsyndrom reichen) und rund 3000 zu erwartenden Behandlungen im laufenden Jahr liegt das MVZ Kempten-Allgäu weltweit an der Spitze. Dementsprechend niedrig sei die Zahl bedeutsamer Nebenwirkungen, sagte Dr. Heigl.
Beeindruckt waren die Ärzte vom Krankheitsverlauf bei einem 25-jährigen MS-Patienten aus Dietenbronn. Wegen einer Lähmung der gesamten rechten Körperhälfte wurde er zur ersten Immunadsorptionsbehandlung auf der Trage herbeitransportiert. Zur dritten Behandlung bereits selbstständig am Stock gehend, machte der junge Mann nach der sechsten Behandlung am Ende der zweiten Woche einen Stadtbummel durch Kempten - ohne Gehhilfe. Als geradezu wunderbar empfand Dr. Heigl auch die Krankengeschichte einer jungen Frau, die zu Beginn der Behandlung blind war und nach wenigen Wochen der Therapie dem Behandlungsteam einen selbst gebackenen Kuchen mitbrachte. Backrezept und Waage hatte sie selbst abgelesen.
Die Klinik Dietenbronn und das MVZ Kempten-Allgäu kooperieren seit zwei Jahren. Bei der Fortbildungsveranstaltung wurde die wissenschaftliche Anbindung der beiden Institutionen an die bei MS weltweit führende Neurologische Klinik der Universität Bochum initiiert.

Artikel aus Katholische SonntagsZeitungvom 25./26.04.2009


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