Freitag, 19.07.2019


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H.E.L.P.-Apherese Therapie bei Hörsturz

Bis zu 300.000 Personen sind in der Bundesrepublik Deutschland nach neuesten Untersuchungen jährlich von einem Hörsturz betroffen, der in schweren Fällen auch dauerhafte Schädigungen (Schwerhörigkeit oder Taubheit) verursachen kann. Beim Hörsturz kommen dieselben Risikofaktoren zum Tragen (Stichwort Cholesterin), die auch für das Auftreten von schweren Gefäßerkrankungen, wie Herzinfarkt und Schlaganfall verantwortlich sind. Einer Risikogruppe gehören außerdem alle Personen an, die vermehrt über einen längeren Zeitraum unter Stress stehen und sich überfordert fühlen.

Ein einseitiges Ohrenrauschen und Druckgefühl können erste Anzeichen für einen Hörsturz sein. Tritt ein solcher ein, nimmt das Hörvermögen auf dem betroffenen Ohr stark ab. Bei über 80 % der Patienten tritt zusätzlich Ohrensausen auf, manchmal begleitet von einem Schwindelgefühl. Die Ursachen dieser Erkrankung können vielfältig sein. Als Gründe kommen zum Beispiel Infektionen, Entzündungen oder Autoimmunerkrankungen in Frage, insbesondere aber gefäßbedingte Probleme, wie zum Beispiel eine Durchblutungsstörung im Innenohr. Aufgrund der Vielfalt der Erkrankungsursachen ist es wichtig, dass Betroffene sobald wie möglich einen HNO-Arzt aufsuchen, um eine fachmännische Diagnostik vorzunehmen. Nur so kann die geeignete Therapie eingeleitet und eine bleibende Schädigung im Ohr vermieden werden.

Für die Therapie des Hörsturzes sind zahlreiche Behandlungsmöglichkeiten beschrieben, deren Wirksamkeit bisher jedoch nur für wenige Verfahren in klinischen Studien belegt wurde. Als eine der am häufigsten angewandten Behandlungen kommen blutverdünnende Medikamente sowie Cortison in Form von Infusionen zum Einsatz. Die Effektivität von Infusionstherapien ist jedoch derzeit nicht evident belegt und wird deshalb nach wie vor kontrovers diskutiert, zumal viele der betroffenen Patienten auch nach der üblicherweise zehn Tage dauernden Infusionstherapie keine Verbesserung oder gar Normalisierung des Hörvermögens erfahren.

Mit der H.E.L.P.-Apherese steht uns ein alternatives Therapieverfahren zur Behandlung des akuten Hörsturzes zur Verfügung, deren Wirksamkeit und Überlegenheit gegenüber der bisher gängigen zehntägigen Infusionstherapie bereits vor 6 Jahren in einer großen Multicenter-Studie an vier deutschen Universitätskliniken unter Beweis gestellt und in der bedeutenden englischen Fachzeitschrift "The Lancet" publiziert worden war.

Das Therapieverfahren selbst ist nicht neu. Es wurde bereits vor über 25 Jahren vom Direktor des Instituts für Klinische Chemie am Klinikum Großhadern der Universität München entwickelt und wird seither zur Behandlung von schweren Fettstoffwechselstörungen eingesetzt. Dabei werden mit einer Dialyse-ähnlichen Blutwäsche Stoffe aus dem Blut entfernt, die dessen Fließeigenschaften stören, vor allem LDL-Cholesterin und Fibrinogen (ein die Bildung von Blutgerinnseln fördernder Faktor). Die Blutwäsche, die ambulant durchgeführt werden kann, dauert ca. zwei Stunden und wird vom Patienten sehr gut toleriert. Die Nebenwirkungsrate ist deutlich niedriger als bei der konventionellen Infusionstherapie. So wurden im MVZ Kempten-Allgäu bei bereits über 30.000 Apheresebehandlungen keine ernsthaften Nebenwirkungen oder Komplikationen registriert. Im Übrigen genügt meist eine einzige, ca. zwei Stunden dauernde Apheresebehandlung, während bei der konventionellen Infusionstherapie zehn Behandlungen - nicht selten unter stationären Bedingungen - durchgeführt werden müssen.

Die gute Wirksamkeit einer H.E.L.P.-Apherese bei akutem Hörsturz war bisher nur innerhalb von 7 Tagen nach Auftreten des Hörsturzes gesichert. Wir haben allerdings in den vergangenen Jahren die Beobachtung gemacht, dass die Apherese durchaus auch bei bereits erfolglos vorbehandelten Hörsturz-Patienten, bei denen das Ereignis schon mehrere Wochen oder gar Monate zurückgelegen war, zu sehr guten Resultaten, bis hin zur vollständigen Wiederherstellung des Hörvermögens führen kann.

Aufgrund dieser guten Erfahrungen bei der Behandlung von anscheinend therapieresistenten Hörstürzen wurden die am MVZ Kempten-Allgäu erhobenen Daten in Zusammenarbeit mit den zuweisenden HNO-Ärzten und der HNO-Klinik der Universität München wissenschaftlich ausgewertet. In die Studie eingeschlossen wurden 152 Patienten, die allesamt im Medizinischen Versorgungszentrum Kempten-Allgäu (102 Patienten) oder in der Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde des Klinikums Großhadern der Ludwig-Maximilians-Universität München (50 Patienten) behandelt worden waren.

Das besondere an der bisher einzigartigen Studie ist, dass ausschließlich Daten von Hörsturz-Patienten ausgewertet worden sind, die sich bereits erfolglos einer herkömmlichen Hörsturzbehandlung (durch Infusion, blutverdünnende Medikamente oder Cortison) unterzogen hatten. Diese Patienten kamen also unter der Überschrift "Therapieversager" in nahezu auswegsloser Situation, häufig erst mehrere Wochen nach dem Hörsturzereignis und suchten in der H.E.L.P.-Apherese einen letzten "Rettungsanker", eine Ultima Ratio-Therapie also. Obwohl sich diese Patientengruppe durch äußerst ungünstige Voraussetzungen auszeichnete, gelang es mit der H.E.L.P.-Apheresebehandlung bei mehr als jedem zweiten Betroffenen (54 Prozent) eine Verbesserung des Hörvermögens zu erlangen. Dass eine H.E.L.P.-Apherese auch noch mehrere Wochen nach dem Hörsturzereignis erfolgreich sein kann, zeigt die Analyse einer Untergruppe von 102 Patienten, die ausschließlich in unserem Zentrum behandelt worden sind. Diese kamen im Durchschnitt erst 32 Tage nach dem Hörsturzereignis zur Apheresebehandlung und erfuhren trotzdem noch in 61 Prozent der Fälle eine Verbesserung des Hörvermögens sowie in 52 Prozent eine positive Einflussnahme auf den begleitenden Tinnitus (quälende Ohrgeräusche).

In der Zusammenfassung kann man aus den Ergebnissen dieser bisher einzigartigen Untersuchung folgern, dass die H.E.L.P.-Apherese auch nach bereits erfolglos durchgeführter Hörsturzbehandlung noch bis zu einem Intervall von ca. 6 Wochen eine erfolgversprechende und gleichzeitig gut verträgliche Therapie-Option darstellt.

Trotz der in der aktuellen Studie aufgezeigten Möglichkeit, einen Hörsturz auch noch mehrere Wochen nach dem Ereignis erfolgreich zu therapieren, gilt allerdings weiterhin der für jede Behandlung zutreffende Grundsatz: "Je früher, desto besser." Beleg für diese Empfehlung ist die Tatsache, dass allen Patienten, die sich innerhalb von einer Woche nach dem Hörsturzereignis zur Apheresebehandlung begeben hatten, geholfen werden konnte.

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